Backhaus

Der Backofen mit angebautem Backhaus befindet sich gegenüber dem Rathaus von 1584 zu Füßen der Mauer um die ehemalige Wehrkirche. Er ist ein ortsbildprägendes Kulturdenkmal und der letzte erhaltene Backofen von den ehemals zwei Gemeindebacköfen hier im Ort. (siehe Zeichnung) Der zweite Backofen wurde nach dem Krieg abgetragen.

Aus den ältesten Gemeinderechnungen von 1703, die hier im Gemeindearchiv noch aufzufinden waren, geht hervor, dass man bereits 1703 größere Reparaturen an dem Backhaus vorgenommen hat. Daraus läßt schließen, dass der Neubau des Backhauses weit vor 1700 liegen muss. Auch in den danach folgenden Jahrzehnten sind immer wieder Reparaturrechnungen für die Backhäuser zu finden. Die ältesten Erwähnungen von Backhäuser im Altkreis Friedberg sind:

  • 1695 Assenheim
  • 1676 Butzbach (fürstliches Backhaus)
  • 1654 Harheim (Rat- und Backhaus)
  • 1478 Melbach
  • 1670 Nieder-Wöllstadt
  • 1621 Ober-Wöllstadt
  • 1664 Ober Rosbach

Nahezu alle diese alten Zweckbauten sind inzwischen vergangen. Es ist jedoch zu vermuten, dass der Hoch-Weiseler Backofen ebenso in dieser Epoche entstanden ist.

Holzeinsparung und Feuersicherheit sind zwei wichtige Themen, denen sich die Territorialstaaten im 18. und 19. Jahrhundert widmeten. Dies bedeutet in der Realität das Abschaffen des Strohdaches, Gebot der Steinbauweise und Einführung von Gemeindebacköfen.

Den letzten großen Versuch, alle Privatbacköfen zu verbieten, unternimmt das Großherzogtum Hessen mit dem Landwirtschaftlichen Vereinen 1839 – 1840. Im Sommer 1839 hatten alle Bürgermeister binnen 8 Tagen den Kreisräten zu berichten, ob und welche Privatbacköfen vorhanden sind. Die Backöfen der „patentierten“ (gewerblichen) Bäcker waren hierunter nicht begriffen.

Backhaus vor der Sanierung
Backhaus vor der Sanierung

Auf einen Fragenkomplex, den allen Bürgermeister mit Gemeindebackhäuser von dem Kreisrat Küchler innerhalb von 14 Tagen antworten sollten, beantwortete der Bürgermeister Reuter, Hoch-Weisel, am 17.Februar 1840:

In hiesiger Gemeinde bestehen zwei gemeinheitliche Backhäuser, resp. Backöfen, diese werden auf Kosten der Gemeinde unterhalten und das Aschesammeln zum Vorteil der Gemeinde meistbietend versteigert. Jedem Backhaus sind je die Hälfte hiesiger Ortsbürger beigeteilt. Das Anheizen der Öfen jeden Montag geschieht Reihe um und dann wird sofort auf Montag wie auf die anderen Wochentage zum Backen gelost. Jede Familie backt ihr Brot selbst und stellt sich auch das Holz. Gemeinheitliche Bäcker existieren hier nicht, welches ich Euer Wohlgeboren zur Kenntnis bringe.

Reuter, Bürgermeister

Quelle Staatsarchiv Darmstadt G15 Friedberg Z104

Bilder aus dem Backhaus.